Wallfahrtskirche

Wallfahrtsort und Pilgerstätte

Ausstattung und Wandgemälde der Wallfahrtskirche.

Von der vor 1757 bestandenen Kirche sind noch drei Gemälde erhalten. Da ist zunächst gegenüber der Kanzel das auf Holz gemalte älteste bildliche Zeugnis einer Wallfahrt nach „Mariazell“ aus der Zeit um 1700, eine Votivtafel der Bollemer Familie Johann Baptist Boll und Ehefrau mit deren Kindern. Als Schilderung und Darstellung der teilweisen Zerstörung der Kirche im Dreißigjährigen Krieg im Jahre 1633: König Gustav Adolf von Schweden kam im Jahre 1632 nach Süddeutschland und der Herzog von Württemberg trat auf seine Seite. Graf Karl von Hohenzollern-Haigerloch verließ sein Schloß und nahm mit seiner Gemahlin Wohnsitz auf dem Zoller, der ihm in Kriegsgefahr mehr Schutz bot; auf der Burg war eine Besatzung von 50 Mann. General Horn kam im Juli 1633 nach Hechingen, er zog aber bald in Richtung Sigmaringen weiter und ließ eine Besatzung zurück

Das weitere besagt die Inschrift:

„Endwurff des Gnadenreichen und wundertätigen muetter Gottes bildt in maria Cell bei hohen Zollern“: „Im Jahre Christi 1631 im Monat Julio umb S: Jakobi wurde die Vöstung Hohenzollern von den Evangelischen sehr lange belagert under wehrendter diser Belagerung haben sye zwar das unten am Berg gelegene, so genannte Mariazeller Kürchlein angezint und verbrent, aber deß Wunderthätige Muettergottes Bildt ab es zwar ein Bösewicht dreymalen in das Feuer geworffen aber alzeit wieder unversehrt, außer dem Jesuskindlein, wie daton noch zu sehen an einem Fueßlein etwas verbrennt worden, mit nach seinem Gottlosen vorhaben verbrennen kennen. Dieser Bösewicht aber ist noch selbigen Tag umbkommen und erschossen worden, und sonst keiner: welches glaubwürdig bezeigen, die zum theil diesem Spectacul persönlich bey-gewohnt und zum theil erzählen hören, bei ihrem gewissen das geschicht attestieren tun davon auch ain dem strengen Fraun Kloster Gnadenthal bei Stetten, Predigerordens unverwirflich geschrieben gefunden worden“.

Auf dem Bild links neben der Kanzel ist der hl. Fridolin im Benediktinergewand mit Abtstab dargestellt. Zu seiner Linken: Ursus als Totengerippe. Beide scheinen aus der Gegend von Säckingen kommend in unsere Gegend zu schreiten. In der rechten Bildhälfte ist die Zollernburg, „Mariazell“, Boll und Hechingen dargestellt. In den Wolken erscheint das Mariahilfbild von St. Jakobus in Innsbruck – es ist anzunehmen, daß es sich hier um eine Heimaterinnerung des Bildstifters Johann Paul von Baretti handelt, der aus Innsbruck stammte. Die Familienwappen sind am unteren Bildrand dargestellt.


Die Inschrift besagt folgendes:

„Der Allerheiligsten Dreifaltigkeit und der übergebenedeiten Himmelskönigin zu Allerhöchsten Ehren auch sonderbarer Vorbitt des hl. Fridolins in unseren Nöthen und Triebsallen um Abwendung der laydigen Viehsucht, Gott bewahre uns vor diesem und allen Übeln. Amen. Den 6. März 1742“.

Ein weiteres Bild, rechts des rechten Seitenaltars, bezeichnet mit der Jahrzahl 1699, stellt den heiligen Antonius von Padua mit dem Jesuskind auf dem linken Arm dar, vor ihm eine kniende Dominikanerin, darüber Gottvater. Es ist anzunehmen, daß es sich hierbei um eine Schenkung aus dem früheren Kloster Gnadenthal im benachbarten Stetten handelt.

Die Bilder an den Seitenaltären zeigen rechts den hl. Fridolin mit Ursus dem Totengerippe, sitzend neben dem linken Fuß. Das Bild links zeigt den hl. St. Nepomuk. Das alte Antependium (Altarverkleidung) rechts des Haupteinganges zeigt eine Darstellung um den Hl. Nepomuck (Märtyrer 1330 – 1393) wie er als Opfer des Beichtgeheimnisses in der Nacht vom 20. auf 21. März 1393 auf Befehl des König Wenzelz des IV. von der Moldaubrücke in den reissenden Fluss gestürzt und somit ermordet wurde.

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Die Deckengemälde

Im Chor ist Mariä Verkündigung dargestellt, im Mittelschiff: Mariä Himmelfahrt, über der Empore: Maria als Fürsprecherin der kranken und armen Seelen. Es sind Werke des früheren Kunstmalers August Pfister aus Gruol bei Haigerloch. Das Chorgestühl und die Kommunionbank stammen vom Hechinger Kunstschreiner Josef Kepper aus dem Jahre 1757. Das große Holzkreuz bei der Kanzel ist vermutlich ein altes „Vortragekreuz“ zu den Prozessionen der früheren Jahrhunderte.

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Das Gnadenbild im Hochaltar

Das Gnadenbild auf dem Hochaltar aus Holz dürfte über das 17. Jahrhundert nicht hinausgehen. Es ist demnach anzunehmen, dass es im Jahre 1633, als die Kirche zerstört wurde, schon hier war. Anlässlich der Innenrenovation im Jahre 2010 wurde das Gnadenbild durch den Kirchenrestaurator Schulz-Lorch aus Sigmaringen überarbeitet.

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Die Glocken der Wallfahrtskirche

Nach den Aufzeichnungen der Erzdiözese Freiburg besitzt diese Wallfahrtskirche wohl eine der ältesten Glocken Süddeutschlands. Es ist eine aus dem 12. Jahrhundert stammende, völlig glatte Glocke. Die 2. Glocke ist eine Neuanschaffung für eine im 2. Weltkrieg eingeschmolzene Glocke.

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Information

Hier finden Sie den aktuellen Kirchenführer als PDF-Datei.